Bogota: Kolumbien Adieu – Open Heart für ein neues, aufregendes Land!

Ich landete also doch noch in der verrufenen Hauptstadt Kolumbiens. Ich hätte darauf verzichten können, aber die Flugverbindungen von Bogota aus sind einfach gut. In dem alternativen Studenten- und Künstlerviertel „La Candelaria“, in dem ich übernachtete, soll es auch ein bisschen weniger gefährlich sein.

Meine Unterkunft holte mich leider nicht wie besprochen am Flughafen ab. Also nahm ich ein normales Taxi. Der Taxifahrer erklärte mir, dass es überall gefährlich sei, man immer die Augen aufhalten muss und besser nicht alleine durch die Straßen läuft. Na prima. Am Ende der Fahrt sagte er, dass es in diesem Viertel ok wäre, zwei Straßen vorher meinte er aber noch, dass ich dort nicht alleine lang gehen solle.

In der Unterkunft half man mir sofort bei einem Termin für einen Coronatest, dem Ausdrucken von Formularen und Visa-Angelegenheiten. Ich fragte gar nicht mehr, warum sie mich nicht abgeholt haben. Das Taxi war eh günstiger und ich hatte keine Lust, meine Zeit dafür zu verschwenden.

Ein lieber Opi führte die Unterkunft und gab mir gleich noch ein paar Tipps zum Essen. (Ich hatte großen Hunger!) Auch gab er mir ein paar Einweisungen zur Sicherheit. Das Wichtigste ist, nicht zu zeigen, dass man viel hat und sein Handy nie rauszuholen. Niemals den Reisepass und nur so viel Geld, wie man wirklich braucht, mitnehmen. Bettlern sollte man besser nix geben und sich nicht auf der Straße anquatschen lassen. Das Übliche halt. Irgendwas war noch mit der Polizei, aber das habe ich nicht verstanden.

Es gibt einen Spruch in Kolumbien und der greift natürlich vor allem hier! „No dar Papaya!“ bzw. „If you show them the Papaya, they want the Papaya.“ Ich versuchte also alles, was für jemanden eine Papaya sein könnte, oder für jemanden wie eine aussehen könnte, zu verdecken!

Als erstes ging ich zu einem Foodmarkt. Kein einheimischer Markt, aber trotzdem cool und mit vielen kleinen, sehr guten Restaurants. Hier gab es allerdings kaum Karten oder Bilder, was es schwierig machte. Die Mitarbeiter waren auch alle sehr beschäftigt und hatten keine Zeit für Erklärungen. Ich fragte einfach andere Leute was sie da gerade essen und was das traditionellste ist. Ich wollte nämlich nochmal richtig kolumbianisch essen. Bandeja Paisa war der Tipp und das hatte ich auch zuvor schon mal gehört, wusste nur nicht genau, was es ist. Der riesige Teller kam und schickte mich ins Jenseits. Zum ersten Mal auf meiner Reise schaffte ich es nicht, meine Portion aufzuessen. Es waren nicht unbedingt meine Lieblingsspeisen, aber es war lecker und die Aromen nochmal ganz anders und besonders. Leider konnte ich an diesem Tag außer einem Nachtisch auch nichts anderes mehr essen.

Später mischte ich mich noch etwas unter das bunte Volk. Die jungen Menschen waren alle in Partylaune, es war Freitag, schon um 15 Uhr waren die buntbemalten Straßen voller trinkender Menschen. Die ein oder andere Ecke oder Person wirkte schon ziemlich duster und lud nicht zum Verweilen ein. Es war auch sehr viel Polizei anwesend und ab und zu wurden junge Männer zu Seite genommen und gefilzt. Das schien hier nicht unüblich.

Wenn man mal sah, dass jemand sein Handy benutzte, dann meist in der Tasche oder der Jacke. Auch die Einheimischen. Außer die üblen Gestalten, die keine Angst haben mussten. Ich holte mein Handys getrost dem Motto: „No Risk, no Risk“ auch ein paar Mal ganz kurz für ein paar Fotos raus.

Alle auf der Straße tranken oder verkauften Chicha, ein milchiges Getränk aus fermentiertem Mais. Das es in verschiedenen Farben gab, die die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen darstellten sollten. (Ich glaube, ausschließlich Fruchtsorten.) Das sah total spannend aus. Die Verkäufer hatten die vielen bunten Flaschen an ihren kleinen Ständen aufgereiht und die Einheimischen tranken aus ihnen mit Strohalmen, manchmal auch aus Papiertüten. Eine ältere Dame versuchte mir was zu verkaufen und sagte, es wäre kein Alkohol drin. Natürlich war leider in jeder Sorte Zucker enthalten, ich konnte mir es aber nicht verkneifen, das angebotene Pinchen zu kosten. Es schmeckte interessant, irgendwie nach Essig und süß-fruchtig. Eine zuckerfreie Variante hätte ich mir durchaus nochmal gekauft, ich hatte aber keine Hoffnung, eine zu finden und versuchte es auch nicht. Trotzdem reizen mich diese neuen, unbekannten Geschmäcker sehr.

Ich kehrte zum Einbruch der Dunkelheit zurück in die Unterkunft. Kein Risiko am letzten Tag mehr. Ich versuchte meine Flüge einzuchecken, was nicht klappte, schrieb den Blog und bereitete mich auf meine lange Reise vor. Es waren nur noch 9 Grad und ich funktionierte meine Trinkflasche in eine Wärmflasche um. Das war super.

Am nächsten Morgen, ganz früh, ging ich zum Coronatest. Dafür musste ich die „sicherere“ Umgebung verlassen und ins Zentrum von Bogota (5-6 Blogs weiter). Morgens, bei Regen war das kein Problem, gestern Nachmittag sah es hier gruseliger aus. Gott sei Dank war der Test negativ. Ich hatte Angst, dass ein positives Ergebnis mir die Weiterreise versauen könnte und das wäre jetzt ein undenkbar blöder Zeitpunkt. Es stehen zwei große Reisen bevor, die ich auf keinen Fall verpassen möchte und ebenfalls steht relativ viel Geld auf dem Spiel. 🤭😅 Aber er war ja negativ!!!

Also ab zum Markt fürs Frühstück. Stimmt nicht ganz, zunächst noch mit der Familie und Timo gesprochen, aber dann gab es Frühstück. (Ich sagte ja, außer Essen und rumlaufen kann man manchmal bei Zwischennächten nicht viel machen, aber in den Großstädten gibt es auch oft ein gutes Angebot an Speisen.) Eine Sache wollte ich unbedingt noch probieren, typisch Kolumbianisch, heiße Schokolade mit Käse und dazu ein Buñelo (Kleines Brötchen aus Maismehl und Käse). Leider fand ich kein schönes Café, aber eine einfache Variante auf dem Markt tat es auch.

Sieht nicht so lecker aus, war aber irgendwie lustig

Dazu gab es, auch sehr klassisch, Tamales. Zuvor war ich nicht so überzeugt, aber diese hier war der Hammer. Der Geruch beim Öffnen war schon toll und der Geschmack auch wirklich überraschend intensiv. Es ist eine Masse aus Maismehl in der ein wenig Gemüse, Hähnchen, etwas Schweinebauch und Gewürze in einem Bananenblatt eingewickelt und gedämpft wird. Das Fleisch war so zart, dass es vom Knochen fiel und die Masse schmeckte, wie ganz intensives Hühner-Risotto. Nur viel matschiger, was ich aber mag.

Wieder sehr voll rannte ich nur noch zurück, packte und rief mir ein Uber, ich war etwas spät dran. Die Uber-Fahrerin bat mich vorne einzusteigen: „Porque La Malestas.“, ich hörte bereits vorher, dass Uber-Fahrer in Kolumbien teilweise richtig von den Taxifahrern angegriffen werden. Die Konkurrenz ist hier sehr hoch und die Uber-Fahrer werden nicht akzeptiert. Als wir da waren, meinte die Fahrerin, ich solle schnell aussteigen, wegen der Polizei, ich fragte ob es nicht ok sei. Sie antwortete, dass Uber in ganz Kolumbien illegal sei! 🤭

Fazit zu Kolumbien

Das erste was in diesem Land auffällt, sind die Musik, Farben und die Art, wie die Menschen hier das Leben genießen. Die, die es können tun es aus vollem Herzen. Tanzen, singen, trinken, essen, sind freizügig und glücklich mit dem, was sie haben. So wirkt es zumindest, ob es wirklich so ist, weiß man ja nie. Die Menschen treffen sich sogar zum Standardtanz auf der Straße oder üben in Parks Choreografien ein.

Überrascht war ich über die vielen modernen und gut entwickelten Großstädte mit unzähligen Hochhäusern, das hatte ich nicht erwartet. Immer wieder umgeben von wunderschöner Natur. Das Land ist einfach riesig und hat von Küste über Berge, Amazonas Regenwald und Kultur vieles zu bieten. Ähnlich wie Peru, nur mit mehr schöner Küste und warmem Wetter. Das hat es für mich auch etwas schöner gemacht. Nur Inka-Kultur gab es in Kolumbien leider wie erwartet weniger (nicht überraschend, natürlich). Außer in Bogota war es meistens schön warm. Wie aber auch in Peru habe ich das Gefühl, ich hätte mir in Kolumbien gerne noch mehr angeguckt. Ich hätte gut und gerne 1-2 Wochen dran gehangen.

Ein bisschen geschnitten hatte ich mich bei den Preisen. Ich dachte Kolumbien wäre extrem günstig, aber vor allem die ersten Wochen in Cartagena, an der Küste und Baru, waren es aber nicht. Die Unterkünfte, die Transporte und das Essen waren deutlich teuerer, als in Ecuador oder Peru. Im Innland wechselte es aber deutlich. Da schlief ich dann auch für 13€ im Einzelzimmer und konnte wieder für 3€ auf dem Markt essen.

Zu Südamerika

Für mich war das Essen in Kolumbien das beste in Südamerika. Sowohl die Supermärkte waren sehr gut ausgestattet, als auch die Almuerzos hier waren irgendwie würziger und besser abgeschmeckt als in Peru und Ecuador. Auch die Empanadas und Co waren am vielfältigsten. Gemüse fehlte aber tatsächlich überall, außer man kaufte es sich auf dem Markt selbst.

Der Tourismus ist zwar teilweise gut entwickelt, an manchen Orten aber auch noch gar nicht. Man muss immer gut aufpassen, wenn man den Ort wechselt und am besten bei Google Maps verfolgen, wo man sich befindet, sonst könnte es schwierig werden. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Fahrer wissen, wo man hin möchte oder die Orte kennen, wie es in anderen Ländern oft üblich ist. Man sollte also ein bisschen vorbereitet sein und mindestens ein paar Brocken Spanisch sprechen, besser etwas mehr. Und vor allem muss man immer auf seine Sachen achten.

Lieferdienste!!! Überall wurde bestellt. Ständig fuhren die Roller-Lieferdienste umher und versammelten sich vor Imbissen und Restaurants. Das war echt auffällig, ebenso wie das Übergewicht der Menschen.

Dabei gibts so tolle Märkte und in den meisten Unterkünften die Chance, sich was zu kochen. Das werde ich in Asien etwas vermissen und der Komfort war meist auch höher. Schön, dass es überall anders ist.

In Punkto Sicherheit bin ich mittlerweile schon ein bisschen erleichtert, nun das Land und Kontinent zu verlassen. Kriminalität gibt es überall und aufpassen muss man auch überall, aber es macht einem ein doofes Gefühl, wenn man ständig gewarnt wird.

Mir hat Südamerika gut gefallen, aber ich bin auch froh, dass ich diesen wilden Kontinent in meinem Sabbatjahr besuchen durfte. Bei einem dreiwöchigen Jahresurlaub wäre ich vielleicht nicht so auf meine Kosten gekommen.

Wo geht es denn nun hin?

Von Bogota flog ich nach Ford Lauderdale. Wegen der langen Schlange beim Check-in sprang ich auf den letzten Drücker in den Flieger. Wir landeten pünktlich in Fort Lauderdale, durften jedoch nicht aus dem Flieger steigen, da wir angeblich keinen Platz an einem Ausstieg erhielten. Über eine Stunde lang hielt man uns fest, danach standen wir mehrere Stunden in einem Gang, wo wir nicht weiter durften bzw. noch in der Immigration Schlange. Als ich dran war, war mein nächster Flieger längst abgehoben. Dachte ich, aber als ich mich erkundigte, sagte man mir, ich solle rennen. Der Flieger wurde aufgehalten und die Abflugzeit um eine Stunde verschoben. Ich rannte durch die Handgepäckskontrolle zum Gate und hüpfte, nass geschwitzt, als letzte in den Flieger. Puh, das war knapp und Glück!!! Ich flog also doch noch nach Los Angeles, wo ich sechs Stunden später in den nächsten Flieger stieg und überglücklich, nach fast 30 Stunden auf Hawaii austieg. HAWAII…ich kann es kaum fassen!!!! Aloha – Honolulu 😍

1 Kommentar

  1. Carola sagt:

    Ich fasse es nicht!!! Hawaii!!! Vermutet hatte ich das, gehofft hatte ich Wanne-Eickel! Nee nicht wirklich. Jetzt freue ich mich auf ganz viele Berichte und Fotos 😘

    Gefällt 1 Person

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